Was haben Buchdruck, DJ’s und Cosplay gemeinsam?

Referentialität im digitalen Zeitalter

Der folgende Artikel basiert auf Felix Stalders Buch „Kultur der Digitalität“ (2017). Der Kultur-und Medienwissenschaftler Felix Stalder ist Professor an der Zürcher Hochschule der Künste. In seinem Buch nennt er den Begriff „Referentialität“, der neben „Gemeinschaftlichkeit“ und „Algorithmizität“ die charakteristischen Eigenschaften einer Kultur der Digitalität bildet. Laut Stalder bestimmt unser eigenes Handeln die Zukunft der Digitalität. Ebenfalls sagt er, dass die Kultur der Digitalität bereits in unserem Alltag dominant ist. Diese schafft eine bestimmende kulturelle Konstellation, die in allen Lebensbereichen vorhanden ist – durch das referentielle Herausgreifen, Zusammenführen, Verändern und Hinzufügen von digitalem Material findet heutzutage eine „kollektive[.] Verhandlung von Bedeutung“ im Alltag statt. (Stalder 2017:S. 96).

Vom Entstehen der Bedeutung

Referentialität ist eine Methode, mit der sich Einzelne in kulturelle Prozesse einschreiben und als Produzenten konstituieren können.“ (ebd. S. 95). 

Dadurch, dass Aufmerksamkeit auf Informationen gelenkt wird, werden sie von der veröffentlichenden Person als relevant eingestuft. Das Filtern von Informationen und die Bedeutungszuweisung finden hier also nicht mehr nur noch durch Verlage oder Massenmedien, sondern durch Einzelne statt. Kultur bedeutet aber ebenfalls, dass sich ein solches Verfahren nicht auf einen Einzelnen beschränken muss, sondern in einem größeren Raum stattfinden kann. Für diesen Raum sind die Existenz und Entwicklung gemeinschaftlicher Formationen von zentraler Bedeutung. Das heißt grob, dass Referentialität, wie schon gesagt, eine Methode ist, mit der Menschen, allein oder in Gruppen, an der kollektiven Verhandlung von Bedeutung teilnehmen, indem Bezüge hergestellt werden, die weiter verarbeitet werden und diese ebenfalls weiter bearbeitet werden. Es ist sozusagen eine nicht endende Kette. Beispiele hierfür wären Remixe, Samplings, Nachahmungen, Hommagen, Parodien oder Zitate. All diese Dinge bedienen sich eines „Originals“ und verarbeiten dieses weiter. Dazu sind zwei Aspekte wichtig: zum Einen die Erkennbarkeit der Quelle und zum Anderen der freie Umgang damit. Das verdeutlichen wir nun am Beispiel eines DJ’s: Dieser sucht sich ein Lied, verändert es und bringt es in einen neuen Kontext. Damit schafft er ein internes System von Verweisen, das Bedeutung und Ästhetik wesentlich prägt. Allerdings gibt es auch eine Voraussetzung: Das Neue muss auf derselben Stufe stehen wie das verwendete Material. Dazu zitiert Stalder den Journalisten Ulf Poschardt:

(E)s geht nicht um die Errettung von Authentizität, sondern um die Erschaffung einer neuen Authentizität.“ (Poschardt 1995: S. 34).

Auch auf breiter gesellschaftlicher Ebene zeigt sich die Wirkung der Referentialität. So findet man auch in der populären Kultur Prozesse der Aneignung und Distanzierung, beispielsweise in der Cosplay Szene. Hier werden Charaktere aus Filmen, Videospielen und Comics verschieden gedeutet, adaptiert und weiterverarbeitet. 

Das Chaos der wachsenden digitalen Welt

Insgesamt stellt die digitale Welt auch durch referentielle Verfahren eine schnell wandelnde Landschaft dar – die Anzahl und das Ausmaß frei verfügbarer digitaler Daten steigt aktuell rasant. Vor allem steigt auch die Zahl kultureller Artefakte, die vor der Digitalisierung nicht öffentlich gemacht wurden, beispielsweise Amateurfoto- und Videografie. Dass diese nicht von Medieninstitutionen oder Bibliotheken, sondern von Einzelnen, geordnet werden, führt dazu, dass sie ohne (nachgewiesenen) Kontext und Rahmeninformation online gestellt, weiterverarbeitet und weiterveröffentlicht werden – so zum Beispiel bei YouTube. 

Die von Stalder sogenannte „übergeordnete Narration“ (Stalder 2017: S. 115) schwindet also: Die Bedeutungen sind offener und die Verbindungen so unübersichtlich, dass Menschen eigene Bezüge herstellen müssen, um die Alltagswelt zu ordnen. Internetforscher David Weinberger, der in Stalders Text zitiert wird, bezeichnet dies als „die neue digitale Unordnung“ (ebd. S. 116).

Was braucht es für ein referentielles Verfahren?

Also kann man sagen, dass referentielle Verfahren, anstatt sich abzugrenzen, explizit Bezug auf das verwendete Material nehmen. Teile werden weniger zusammengefügt, als ineinandergefügt, indem man sie verändert, anpasst oder transformiert. Jedoch ist ein referentielles Verfahren nur temporär, da das neu Entstandene selbst zum verwendeten Material werden kann. Sinnzusammenhänge werden kontinuierlich der aktuellen Situation und Zeit angepasst

Dafür gibt es allerdings drei Regeln, die eingehalten werden müssen: 

  1. Ökonomisch und organisatorisch: Referentielle Verfahren müssen preiswert und
    leicht zugänglich sein.
  2. Kulturell: Sie müssen alltägliche Handlung ohne Voraussetzungen sein.
  3. Materiell: Material muss nutzbar sein und darf verändert werden.

Aufzeichnung, Speicherung, Prozessierung und Wiedergabe sind Beispiele hierfür. Sie machen es möglich, dass Bilder, Videos und Audios zugänglich und für jeden veränderbar sind; nicht nur qualitativ, durch verbesserte Qualität, sondern auch quantitativ durch die Mengen an Dateien.

Praktisch gesehen: Relevanz und Risiken von Referentialität

Resümierend finden wir, dass sich Stalders Konzept der Referentialität sehr gut auf die heutige digitale Landschaft übertragen, beziehungsweise dort wiederfinden, lässt. Überall im Internet und besonders auf sozialen Netzwerken werden Dinge bearbeitet, weiterverwendet und in neue Kontexte eingebettet. Als Beispiel wären hier die beliebte Nutzung von Gifs und Memes zu nennen, das heißt von kurzen Film- oder YouTube-Clips (im Fall von Gifs) oder Fotos (im Fall von Memes), die mit einem neuen Text beschriftet werden und so eine neue Bedeutung bekommen. Dennoch muss man sagen, dass eine digitale Welt, die so bedeutungsoffen ist, dass Einzelne oftmals Bezüge selbst herstellen müssen, auch gefährlich sein kann. Die Veröffentlichung von Videos auf YouTube oder Facebook ohne jegliche Kontexteinbettung lässt viel Interpretationsspielraum, der zum Nährboden für Gerüchte und sogenannte Fake News werden kann. Dass sich Einzelne in der aktuellen digitalen Welt so einfach durch Referentialität in kulturelle Prozesse einschreiben können, kann unserer Meinung nach daher sowohl Chance als auch als Risiko gesehen werden.

Quelle: Poschardt, Ulf (1995): DJ-Culture. Hamburg: Rogner und Bernhard bei Zweitausendeins, S. 34.; Stalder, Felix (2017): Kultur der Digitalität. Erste Auflage, Originalausgabe., Berlin: Suhrkamp.


Bildquelle: https://www.dance-charts.de/201711099472/dj-promotion-2

Autoren: Josephine Grothoff, Pia Westerteicher

Vom Zwitschern und Zirpen

140 Zeichen seit 2006, eine Verdopplung auf 280 Zeichen seit 2016. Jeder kennt den kleinen blauen Vogel. Kaum ein anderes soziales Netzwerk bietet ein so begrenztes Zeichenlimit wie Twitter, trotzdem erfreut sich die Mikroblogging-Plattform großer Beliebtheit. Ob der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika oder Beauty-Blogger; zahlreiche Prominente verwenden die Kurznachrichten, um sich Gehör zu verschaffen. Sei es als Medium für narzisstische Selbstdarstellung oder als modernes Flugblatt für politische Themen, Twitter ist ein Ping-Pong-Spiel bei dem jeder durch Äußerung seiner eigenen Meinung, und durch das Teilen und Kommentieren anderer Statements mitspielen darf. Mit diesem Kommunikationsmedium haben sich Johannes Paßmann, Thomas Boetschoten und Mirko Tobias Schäfer in ihrem Text „The Gift of the Gab: Retweet Cartels and Gift Economies on Twitter“ auseinandergesetzt. In ihrer Studie haben die Autoren die Funktion von Retweets und Replies vor dem Hintergrund sozio-kultureller Kontexte untersucht. Dabei wurde deutlich, dass Twitter als Plattform für verschiedene Personengruppen unterschiedliche Bedeutung haben kann. In ihrer Studie gehen die Autoren besonders auf die unterschiedliche Nutzung von Twitter durch Politiker und Mitglieder der sog. Favstar-Szene ein.

Online Politik?!

Als Erstes widmeten sich Paßmann et al. in ihrer Arbeit dem Twitter-Verhalten von Politikern des niederländischen Parlaments und untersuchten zunächst quantitativ den Austausch von Nachrichten, um Gemeinsamkeiten und Muster im Verhalten der Politiker herauszuarbeiten. Dabei stellten die Forscher fest, dass Parlamentsmitglieder regelmäßig in Replies (Antworten) aufeinander bezugnehmen, aber die Parteizugehörigkeit der Kommunizierenden kaum eine Rolle spielt. Zwischen den Politikern entsteht ein ausgeglichenes Antwort-Netzwerk, welches keine klaren Gruppierungen aufweist. Anders sieht das jedoch bei den Retweets aus, bei denen die Forscher eine Regelmäßigkeit feststellten: Niederländische Politiker teilen hauptsächlich Tweets der eigenen Parteimitglieder. Man kommt zu folgendem Resultat:

„While replying is widely unaffected by party affiliation, retweeting is very much structured by it. Dutch politicians tend to prefer retweeting their own party members‘ messages than retweeting messages by members from opposition parties.“(Paßmann et al. 2014).

Aber warum ist das so? Paßmann et al. kommen zu dem Ergebnis, dass Replies von den Politikern als eine gängige Art der Unterhaltung aufgefasst werden, Retweets jedoch eine Befürwortung oder Unterstützung der ausgedrückten Meinung darstellen. Letzteres stelle eine spezifische Form der Homophilie dar: die allgemeine Tendenz des Menschen, ihm Gleichgesinnte zu bevorzugen. Die Forscher stellen die Vermutung auf, dass Nutzer, die die selben Wertvorstellungen und einen ähnlichen sozialen Status teilen, sich eher in Gruppen zusammenfinden und sich z.B. auch eher gegenseitig retweeten.  Das Besondere im Falle der Politiker ist, dass sie die geteilte Meinung der Partei, der sie angehören, verbreiten und Tweets der Parteiangehörigen teilen. Sie beziehen sich nicht auf User, die ihnen als Individuum gleichgesinnt sind. Der Soziologe und Ethnologe David Emilé Durkheim beschreibt dieses Phänomen als „mechanische Solidarität“ (Durkheim, 1984, K. 2). Die Kameradschaft beim Retweeten sei somit auf die gemeinsame Mitgliedschaft zurückzuführen, weise jedoch nicht unbedingt auf eine persönliche Beziehung oder Gemeinsamkeit hin und reflektiert Strukturen der Interaktion von Politikern im Alltag.

Einer für alle, alle für einen

Eine weitere Gruppe der untersuchten Twitter Nutzer bildet die sogenannte Favstar-Szene. Ein Fav funktioniert wie ein Like oder Gefällt mir auf Facebook und war ursprünglich als eine Art Lesezeichen für die Nutzer gedacht. Da in der Favstar-Szene Aufmerksamkeit die erstrebenswerteste Art der Anerkennung ist, wird der Favstar mittlerweile exzessiv genutzt um Aufmerksamkeit zu demonstrieren und selbst zu erlangen.  Die Mitglieder der Szene bauen ihre Twitter-Existenz ganz auf diesen Favs auf:

„While the politicians mentioned above have the advantage of being known to a large audience through their mainstream media appearances, Favestar members frequently have to build up their audience from scratch after setting up what are often pseudonymous accounts.“(Paßmann et al. 2014).

Eine weitere Möglichkeit der Popularisierung des eigenen Accounts bietet eine Art Tauschgeschäft unter einzelnen Mitgliedern der Favstar-Szene, welches die Autoren in einem Selbst-Experiment sichtbar gemacht haben: Durch die Vergabe vieler Favs wurde ihr Account überdurchschnittlich häufig weiterempfohlen. Aufgrund dieser Beobachtung beschreiben die Autoren die Favstar-Szene als eine Gift Economy in der ein Fav, als Gabe gilt. Hier findet das Konzept des  Opening of Gifts Verwendung. Diesen Begriff prägte der Sozialanthropologe Bronislaw Malinowski und beschreibt einen ritualisierten Vorgang, bei dem ein Partner einem anderen ein Eröffnungsgabe macht. Der Beschenkte hat nun die Option eines Clinching Gift, mit welchem die Beziehung gefestigt werden würde. Wenn der Interaktions-Partner die Eröffnungsgabe annimmt, entsteht eine Allianz zwischen beiden Partnern und beide können vom anderen und dem Zugang zu dessen Auditorium profitieren. Während bei Malinowskis ursprünglicher Bedeutung der Austausch von Gaben durch Traditionen und sozialem Zwang geformt ist, sind Mitglieder von Twitter frei eine Gabe zu erwidern; jedoch hat der Schenkende eine gewisse Erwartung eine Gabe im Gegenzug zu erhalten. Allerdings sind diese Gaben keine uneigennützigen: Das verschicken von Nachrichten oder Favs dient nur dem Selbstzweck, um den eigenen Account zu popularisieren und kann daher als ein übergeordnetes Ziel dieser Szene angesehen werden. Daher hat die Community einen außergewöhnlich starken Zusammenhalt, der zwar durch die Gift-Economy entstanden ist, jedoch durch die extreme Abhängigkeit der Mitglieder voneinander aufrechterhalten wird. Je mehr Gifts ausgetauscht werden, desto populärer und erfolgreicher wird ein Account. Dadurch entsteht dieser frequentierte Austausch zwischen einzelnen Mitgliedern.

Und jetzt?

Beachtlich ist, dass Twitter unterschiedliche Relevanzen im Leben seiner Nutzer hat. Während Mitglieder der Favstar-Szene sich auf ihr Publikum einstellen müssen und ihr öffentlicher Auftritt ausschließlich auf dem sozialen Netzwerk stattfindet, dient Twitter den Politikern lediglich als weiterer Kanal, um ihre politischen Interessen zu vertreten und mit anderen Politikern öffentlich in Kontakt und Diskussion zu treten. Folgender Gedanke, den wir bei der Bearbeitung des Textes hatten: Der Text erweckt den Anschein, dass Politiker Twitter ausschließlich als seriöses Kommunikationsmedium nutzen; während es Privatpersonen nur der Unterhaltung dient. Wir sind der Meinung, dass eine so genaue Trennung nicht möglich ist. Privatpersonen können bedenkenlos ihre Meinung durch Tweets kundtun; während grenzwertige Statements von Personen des öffentlichen Lebens, wie z.B. Politiker, immer auch auf ihre Privatperson zurückfallen. Paradebeispiel dafür ist der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump. Es scheint, Trump nutze Twitter, um jeden seiner Gedanken mitzuteilen, ohne über Konsequenzen nachzudenken. Durch dieses Verhalten ist Trump nicht nur als Politiker, sondern auch als Privatperson höchst umstritten. Erstaunlich fanden wir auch, dass die Konzepte der Gift-Economy und des Opening-Gifts bereits zu Zeiten ohne Internet in nigerianischen Stämmen gemacht wurden und trotz des gesellschaftlichen Wandels in der heutigen Zeit immer noch zu finden sind.

Quelle: Paßmann, Johannes, Boeschoten, Thomas und Schäfer, Mirko Tobias (2014): »The Gift of the Gab: Retweet Cartels and Gift Economies on Twitter«. In: Katrin Weller et al. (Hrsg.): Twitter and Society . New York, S. 331-344

Autoren: Christine Ropertz, Franziska Klinkert, Alexandra Jaksa

Vom Anfang…

Am Anfang war das Wort. Dann kam die Schrift, dann der Buchdruck und schließlich die maschinelle Verarbeitung diskreter Zeichen. So wird gemeinhin der Medienwandel hin zur Digitalisierung beschrieben. Dabei werden diese Veränderungen nicht nur als rein technologischer oder medialer, sondern auch als gesellschaftlicher Wandel gefasst. Die sogenannte „Digitalisierung“ gilt dabei als umfassender Transformationsimpuls für die Gegenwartsgesellschaft, indem auch die kulturellen und sozialen Verhältnisse maßgeblich verändert werden. Ein maßgeblicher Anteil an diesem Wandel wird digitalisierten Kommunikationspraktiken zugeschrieben. Digitale Möglichkeiten der Informationsübermittlung, die Erweiterung sowie die Fokussierung potenzieller Interaktionspartner*innen und schließlich die Differenzierung der Kommunikationsformen führen sowohl zu neuen Arten und Weisen der Vergemeinschaftung als auch zu Neuverhandlungen gesellschaftlicher Selbstverständlichkeiten; etwa was das Verhältnis von Öffentlichkeit und Privatheit anbetrifft. Wir haben uns daher im Seminar die Aufgabe gesetzt, Praktiken digitaler Kommunikation genauer unter die Lupe zu nehmen. 

Ziel des Seminars

Das Ziel in diesem Bachelorseminar im Fach Kommunikationswissenschaft besteht darin, die Funktion und Leistung von Praktiken digitaler Kommunikation zu bestimmen als auch darin, eine kritische Einschätzung ihrer Chancen und Zumutungen zu geben. Entsprechend gilt es, einen begrifflich reflektierten und analytisch distanzierten Blick auf die Omnipräsenz des Digitalen in unserem Alltag zu eröffnen.

„Establishing the phenomenon“ (Merton)

Das Seminar ist dazu in zwei Abschnitte untergliedert: In einem ersten Teil des Seminars wird Begriffsarbeit geleistet, die zugleich Phänomenarbeit ist. Indem soziologische und kulturtheoretische Texte von Dirk Baecker („4.0 oder die Lücke, die der Rechner lässt“), Felix Stalder („Die Kultur der Digitalität“) und Andreas Reckwitz („Singularitäten“) zum Phänomenbereich Digitalisierung gelesen werden, soll die gesellschaftliche Spezifität des – für zumindest die Teilnehmenden des Seminars – selbstverständlichen Vollzugs digitaler Kommunikation deutlicher werden. Dabei geht es gleichermaßen um die Brüche, die die modernisierungstheoretischen Texte identifizieren sowie um die Kontinuitäten sozialer Praxis und Diskurse aus pre-digitalen Zeiten. 

„What the hell is going on here“ (Geertz)

Der zweite Teil des Seminars widmet sich einzelnen Fallstudien. Eine Einstimmung ins Thema gibt die kommunikationstheoretische Auseinandersetzung von Ruth Ayaß zur irritierenden Frage, inwiefern Interaktionen ohne Gegenüber begrifflich und im Anschluss daran auch empirisch zu fassen sind. Die folgenden Seminarinhalte wurden in Absprache mit den Studierenden festgelegt: Wir diskutieren Texte zur Gesprächsorganisation von Chatbeiträgen (Beißwenger), zum Diskurssystem Twitter (Dang-Anh/Einspänner/Thimm) und internen Differenzierungen (Paßmann/Boeschoten/Schäfer) und zur Identitätsarbeit in Weblogs (Orton-Johnson). In der Mitte des Seminars wird Valentin Janda im Rahmen eines Gastvortrags einen Einblick in die empirische Erforschung digital vermittelter Kommunikation geben. Dem folgen Texte zur visuellen Ästhetik von Instagram (Gunkel), der Verschiebung von Öffentlichkeiten (Wagner), der Struktur von Kommunikationen in Dating-Apps wie Grindr (Licoppe et al.) oder Tinder (N.N.) sowie zu Hate Speech (N.N.). Den Abschluss des Seminars bilden kurze kritische Reflexionen zu den Zumutungen digitaler Kommunikation. 


Das diesem Blogpost vorangestellte Bild kommt vom Stickkünstler Simon Hari (www.haristrick.ch). 

Es geht los…

Dieses Blog entsteht im Rahmen des Seminars „Digitale Kommunikation“ (WiSe 2019/20) im BA-Studium „Kommunikationswissenschaft“ an der Universität Duisburg-Essen (zur Seminarkonzeption siehe hier). Es werden hier Zusammenfassungen der Texte, die wir zu jeder Seminarsitzung besprechen, hochgeladen. Diese Zusammenfassungen werden durch die Studierenden des Seminars verfasst. Zuvor durchlaufen die Texte einen Reviewprozess durch andere Seminarteilnehmer*innen, die überprüfen, ob in den Zusammenfassungen das wichtigste genannt wurde, der Text gut und richtig geschrieben ist und auch als Blogeintrag funktioniert. 

Ziel 1

Damit ist zugleich ein erstes Ziel des Blogs benannt: Die Studierenden lernen in der Praxis, was es bedeutet, digitale Kommunikationspraktiken aus- und aufzuführen. Man muss sich offenbar auch im Kontext digitaler Kommunikation darüber verständigen, was relevante Informationen, welche Modell-Lesenden zu erreichen und welche Kommunikationsformate dafür geeignet sind. 

Ziel 2

Ein weiteres Ziel des Blogs liegt in der Herstellung von Öffentlichkeit für studentische Auseinandersetzung mit Inhalten. Während ein Großteil der festgehaltenen Ergebnisse aus Seminaren in den Computern und Mitschriften der Studierenden oder eventuell digitalen Lernplattformen wie moodle festgehalten werden, soll hier ein kleiner Schritt in Richtung Öffentlichkeit gegangen werden. Indem wir sowohl die Seminarkonzeption als auch die Lerninhalte veröffentlichen, können sich andere Personen (seien dies Kommiliton*innen, thematisch Interessierte oder auch Eltern) einen Eindruck über Inhalte des Studiums machen und eventuell die Texte kommentieren und so in einen inhaltlichen Austausch treten. 

(Ziel 3)

Denn das wäre ein wünschenswertes Ziel für das Seminar – die Diskussion nicht nach unseren neunzigminütigen Sitzungen abzubrechen, sondern darüber hinaus fortzuführen. Entsprechend sind alle Interessierten recht herzlich eingeladen, die entstandenen Texte zu kommentieren.

Los geht’s…